Das Cotard-Syndrom ist eine seltene Wahn-Psychose. Betroffene leiden unter der Wahnvorstellung Tod zu sein, wichtige Teile ihres Körpers verloren zu haben oder schlicht nicht zu existieren. In der Psychologie versteht man unter einem Wahn eine Überzeugung an der die Betroffenen trotz ihrer Unvereinbarkeit mit der nachprüfbaren Realität festhalten. Mit anderen Worten: Ein Cotard-Patient, der glaubt kein Herz mehr zuhaben wird sich auch durch einen messbaren Herzschlag nicht davon abhalten lassen.

Die Krankheit ist nach dem französischen Neurologen Jules Cotard benannt, der 1880 das Syndrom umfassend vorstellte und beschrieb. In seiner Vorlesung sprach er von einer Betroffenen mit dem Pseudonym Mademoiselle X. Die Störung manifestierte sich bei ihr in der Wahnvorstellung Gehirn, Nerven, Brustkorb und inneren Organe verloren zu haben. Damit verbunden war der Wahn auf ewig verdammt zu sein und nicht eines natürlichen Todes sterben zu können. Sie starb als Folge des Syndroms, weil sie der Überzeugung war als auf ewig Verdammte keine Nahrung mehr zu sich nehmen zu müssen.

Der älteste bekannte Fall wurde 1788 von Charles Bonnet beschrieben. Die betroffene Person erlitt damals einen Schlaganfall und konnte sich mehrere Tage nicht bewegen und nicht sprechen. Als sie begann beide Fähigkeiten wieder zu erlangen bestand sie vehement darauf gestorben zu sein und beerdigt werden zu müssen. Die Wahnvorstellungen konnten erst durch regelmäßige Einnahme von Beteubungsmitteln in den Griff bekommen werden, auch wenn die Patientin bis zu ihrem Lebensende immer wieder in psychotische Phasen fiel.

Links in gelb: Der Gyrus fusiformis. Rechts in Orange: Die Amygdala.

Ursache für die Psychose ist mit großer Sicherheit eine Störung im Gyrus Fusiformis, dem Teil des Gehirns, der Gesichter erkennt, in Verbindung mit einer Störung der Amygdala, die eine wichtige Rolle bei der Emotionsverarbeitung spielt. Das fehlerhafte Zusammenspiel dieser beiden Bereiche sorgt für ein Gefühl der Entfremdung von der Außenwelt und sogar von sich selber. Eine Behandlung für das eigentliche Problem ist derzeit nicht bekannt. Durch entsprechende Medikamente werden im Moment primär die Symptome der Störung, wie Depression, behandelt.

Quellen für diesen Artikel waren dieser Artikel von HowStuffWorks und dieser Artikel von Scientific America. Ein Artikel mit konkreten Fällen des Syndroms gibt es in hier von Mental Floss. Zudem stammt das Titelbild von Summer Sanders auf ThingLink aus einem Beitrag zum gleichen Thema.