Was ist… der Mechanismus von Antikythera?

1901 entdeckten Archäologen im Wrack eines alten römischen Schiffes die Überreste einer mehr als zweitausend Jahre alten Maschine. Mit dem Mechanismus konnten die Positionen von Himmelskörpern berechnet und angezeigt werden. Benannt wurde er nach seinem Fundort, der Insel Antikythera vor dessen Küste das Schiffwrack entdeckt worden war. Der Mechanismus von Antikythera stammt aus dem zweiten Jahrhundert vor Christus und war mindestens für die nächsten tausend Jahre das komplizierteste bislang bekannte Stück Technik.

Entdeckte Teile des Mechanismus. Die Fundstücke befinden sich im National Archaeological Museum Athen und das Bild stammt aus dem unten zitierten Artikel aus Nature 444.

Obwohl nur einzelne Teile des Mechanismus gefunden werden konnten, habe Wissenschaftler im Laufe der Jahre den Mechanismus durch extensive Arbeiten mit Hilfe moderne Analysemethoden untersucht und teilweise rekonstruiert. Bislang wird angenommen, dass die Maschine aus 30 bronzenen Zahnrädern unterschiedlicher Größe bestand und in einer Holzbox der Maße 33cm x 16 cm x 5 cm untergebracht war. Nach dem aktuellen Wissenstand war eine Gebrauchs- und Leseanweisung für den Mechanismus in die Box eingraviert worden.

Welche Funktionen der Antikythera-Mechanismus letztlich besaß ist nicht abschließend geklärt. Derzeit wird angenommen, dass sich die Maschine bei der Berechnung der Jahre auf den Sonnenzyklus und bei der Berechnung der Monate auf den Mondzyklus bezog. Wie es aussieht war das System sogar darauf ausgelegt deren eliptische Umlaufbahn zu berücksichtigen. Darüberhinaus konnte wohl die Positionen der Planeten in Relation zu den Sternzeichen und anderen Planeten angezeigt werden. Ebenso die Mondphasen und auch der Zeitpunkt der olypischen Spiele.

Der Mechanismus wird oft als ältester Computer der Welt bezeichnet, wenn auch ein mechanischer mit Zahnrädern statt Schaltkreisen und Muskelkraft statt Elektrizität. Wie auch immer das Gerät genannt wird, es ist ein beeindruckendes Stück Ingenieurskunst und ein Zeugnis für das beachtliche astronomische Wissen der alten Griechen.

Ein Nachbau des Mechanismus von Mad Systems für eine 2010 Dokumentation. Mehr dazu auf der im Bild verlinkten Webseite.

Über den tatsächlichen Nutzen gibt es diverse Theorien, keine davon final und allgemein akzeptiert. Für die Verwendung als Navigationsgerät spricht nicht viel mehr als sein Fundort, für einen gewöhnlichen Kalender ist es zu komplex. Als wahrscheinlicher gelten Theorien nach denen der Kalender zur Horoskoperstellung oder als Anschauungs- und Lehrmaterial.

Hauptquelle für diesen Artikel war The Antikythera Mechanism: Still a mystery of Greek astronomy?. Weiterführende Quellen und Literatur findet sich in Gears from the Greeks von Derek De Solla Price und einem Artikel aus Nature Vol.444. Zudem gibt es auch auf YouTube einige Dokumentationen und Beiträge.

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