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John Krasinskis A Quiet Place ist mittlerweile seit drei Wochen in den deutschen Kinos. Auf Aggregator-Webseiten wie Metacritic und Rotten Tomatoes erfreut sich der Horrorstreifen großer Beliebtheit und auch an den Kinokassen kann Krasinskis Dritter überzeugen.

Der Film spielt in einer postapokalyptischen Welt, in der jedes zu laute Geräusch den Tod seiner Bewohner bedeuten kann. Als Zuschauer begleiten wir eine Familie, die in dieser beängstigenden Situation versucht zu überleben. Mehr noch, sie versucht zu leben, statt einfach nur zu überleben.

Solange man seine Erwartungen in Zaum halten kann bekommt man mit A Quiet Place einen unterhaltsamen Horrorfilm geliefert. Die Prämisse ermöglicht einige ungewöhnliche Spannungsmomente und gerade die Eskalation im letzten Drittel des Films weiß die Spannung gut aufrecht zu erhalten. Wer sich einfach nur einen Horrorfilm im Kino anschauen will, der wird mit A Quite Place nicht all zu viel falsch machen.

Zu wissen auf was man sich einlässt ist deshalb so wichtig, weil es recht einfach ist nach den sehr guten Reviews und der allgemeinen Präsentation des Films enttäuscht zu werden. Am Ende ist A Quiet Place nämlich nur ein Horrorfilm, der wahrscheinlich als Kurzfilm besser funktioniert hätte. Immer wieder opfert der Film konsequente und nachvollziehbare Erzählung für Horror- und Spannungselemente. Etwas was wohl bei einem kleineren Projekt nicht passiert wäre. 

Das Problem mit A Quiet Place

Dennoch möchte ich A Quiet Place nicht enttäuschte Erwartungen vorwerfen. Schuld dafür haben wohl am ehesten Reviewer und Marketing, auch wenn der Film selber in seinen ersten 15 Minuten diesen Erwartungen durchaus gerecht wird, um dann eben “nur” ein guter Horrorfilm zu sein.

Das größte Problem mit A Quiet Place ist sein inkonsequentes Sounddesign. Bei einem Film dessen zentrales Spannungs- und Handlungselement Geräusche und Sound sind rückt unweigerlich das Sounddesign in den Mittelpunkt des Erlebnisses. Und die meiste Zeit kann A Quiet Place in dieser Hinsicht auch überzeugen. Spärlich eingesetzte aber sehr gute Filmmusik, lange Abschnitte in denen nicht ein Wort gesprochen wird, Sequenzen in denen nichts zu hören ist, außer die Umgebungsgeräusche. Mehr noch, wenn die taube Tochter der Familie im Fokus steht rückt ein dumpfes Wummern an die Stelle aller Geräusche.

So weit, so gut. Leider ist das Sounddesign nicht zu Ende gedacht und das mache ich an zwei konkreten Punkten fest.

Das erste Beispiel sind Jumpscares. Jumpscares sind billige Schockmomente. Irgendetwas springt ins Bild, begleitet von einem lauten Geräusch aus dem Off. Alle zucken zusammen und der eigentliche Film geht weiter. Auch A Quiet Place hat Jumpscares, inklusive der plötzlichen lauten Geräusche aus dem Off. In einem Film wie diesen, ist das schlicht weg nicht zu entschuldigen. Die Prämisse des Films ist, dass jedes zu laute Geräusch deinen Tod bedeuten kann. Schockmomente in dieser Situation durch ein lautes Geräusch aus dem Off zu erzeugen untergräbt den Film, mehr nicht.

Der zweite Punkt ist primär Enttäuschung darüber, dass kreativer Einsatz des Sounddesigns recht spärlich war. Das dumpfe Wummern der tauben Tochter hatte ich bereits erwähnt. Darüberhinaus spielt der Film quasi gar nicht mit seinem Sounddesign/-mixing. Im Film selber gibt es ein paar Szenen, in denen man zum Beispiel den Kino-Surroundsound hervorragend hätte einsetzen können. Das ist schlicht verschenktes Potential.