Das Problem mit… Sea of Thieves

Für diesen Artikel werde ich mich an der ultimativen Herausforderung versuchen. Schreibe einen Artikel über Sea of Thieves ohne Piraten-Wortspiele oder Klischee-Jargon. Also Daumen drücken!

In wenigen Tagen erscheint Sea of Thieves, Microsofts exklusive Piratensimulation in der ihr mit bis zu drei Freunden ein Schiff steuert, Schätze ausgrabt und Untote bekämpft. Alles in einer Spielwelt, die nicht nur von eurer, sondern auch noch von etlichen anderen Crews bevölkert wird. Die Entwickler hatten im Vorfeld des Öfteren zu Testwochenenden eingeladen. So konnten potentielle Käufer das Spiel auch vor der Veröffentlichung ausprobieren. Auf der anderen Seiten konnten die Entwickler wichtige Daten und Feedback sammeln. Im Laufe dieser Testwochenenden habe auch ich mich ein paar Mal auf dem Meer ausgetobt, allein und mit Freunden.

In dieser Reihe behandle ich Spiele, die mir gut gefallen, die aber auch wenigstens ein schwerwiegendes Problem haben. Diesem schwerwiegenden Problem widme ich dann den Großteil des Artikels. Im Rahmen von Sea of Thieves wird immer wieder gerne rumgeworfen, dass es keine gute Langzeitmotivation bietet. Das Ding ist, mit Langzeitmotivation ist das so eine Sache. Immerwieder das Selbe zu machen ist oft nicht wirklich ein Grund Spiele nicht zu spielen. Kaum ein Spiel schafft es Spieler auch nach mehr als 50 Stunden Spielzeit noch zu überraschen und doch werden Spiele sehr oft teilweise weit länger gespielt. Ich verstehe die bedenken diesbezüglich, habe aber ein ganz anderes Problem mit Sea of Thieves. Zunächst aber erst einmal ein Absatz Positives.

Sea of Thieves ist in vielerlei Hinsicht die ultimative Piratensimulation. Wer schon immer einmal das verklärte Leben eines Klischee-Piraten leben wollte, der wird im Moment wohl kaum etwas besseres finden. Der Grafikstil ist toll, das eigentliche Spiel extrem zugänglich und selbst auf hoher See hat eigentlich jeder etwas zu tun, weil das gemeinsame Schiffsteuern viel Spaß macht. Die offene Gestaltung erlaubt es den Spielern ihre ganz eigenen Abenteuer zu gestalten und Geschichten zu erleben. In einem unbeobachteten Moment hatte ich mich etwa auf das derzeit herrenlose Schiff einer angreifenden Crew geschlichen, dort den Anker gelichtet, die Segel gesetzt und bin von Bord gesprungen. Die andere Crew musste daraufhin mitansehen, wie nicht nur wir, sondern auch ihr eigenes Schiff auf den entlosen Weiten des Meeres verschwanden.

Das Problem

So lustig diese Begegnung auch war, so würde ich doch sagen, dass Sea of Thieves größtes Problem ein Mangel an ausgearbeiteten Spielerinteraktionen ist. So gibt es zum Beispiel keine echte Entermechanik im Spiel. Begegnungen auf hoher See bestehen entweder daraus sich gegenseitig zu ignorieren, sich gegenseitig mit Kanonenkugeln zu versenken oder wild aufeinander mit Schwertern einzuhauen, zu sterben, nach dreißig Sekunden wieder auf dem eigenen Schiff zum Leben zu erwachen und weiter auf die Gegner einzuhauen. Die Möglichkeit Gefangene zu nehmen, Schiffe zu übernehmen oder Schiffe über Löcher im Rumpf hinaus zu beschädigen würden Seebegegnungen meiner Meinung nach sehr gut tun.

Ich könnte mehrere Beispiele nennen, aber das würde den Punkt auch nicht deutlicher machen. Gerade im Bezug auf Spielerinteraktionen ist das Spiel meiner Meinung nach ein ganzes Stück zu sehr auf Rollenspiel angewiesen. Natürlich sind dadurch die Möglichkeiten generell gigantisch, aber die wenigsten Spieler werden hart erarbeitete Schätze opfern, nur um gutes Rollenspiel zu betreiben.

Ich habe generell den Eindruck, dass sich Sea of Thieves nicht sonderlich gut als Primärspiel eignet. Es ist ein kurzweiliger Spaß. Sehr unterhaltsam wenn man hin und wieder mal mit ein paar Freunden ein paar Stündchen die Weltmeere unsichermachen möchte, aber wegen dem angesprochenen Mangel an Interaktionmöglichkeiten und Mechaniken kaum ein Spiel, das mehrere Abende am Stück unterhalten kann.

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