[Review] Chvrches – Love is Dead

Love is Dead is das dritte Studio Album der schottischen Synth-Pop Band Chvrches. Bis zu diesem Album war Chvrches‘ Sound sehr von analogen Synthesizern und meist schnellen und eingängigen Rythmen geprägt. Mit Love is Dead zeigt sich die Band allerdings von einer etwas anderen Seite.

Gesamteindruck

Die Produktion und das Repertoire an Instrumenten ist überwiegend gleich geblieben. Immernoch tragen Synthesizer die Songs, die überwiegend in gleichen Strukturen verlaufen und um einen klaren Chorus gebaut sind. Allerdings hat das Album eine etwas humanere Note:
Laut der Band hat Love is Dead den höchsten Anteil an Akustischen Schlagzeug aller bisherigen Chvrches Alben, weshalb die Band auch einen Schlagzeuger für Live Auftritte rekrutiert hat. Das macht sich vorallem durch ein gelegentliches Auflockern der pulsierenden Schlagzeugbeats bemerkbar. Durch das reduzierte Tempo sind eingängige Grooves durchaus oft vertreten. Zwei Stücke auf dem Album (Really Gone und II) kommen sogar komplett ohne Schlagzeug aus, wobei II sogar völlig auf Gesang verzichtet.
Lauren Mayberrys Gesang klingt etwas trainierter und kräftiger als in den Vorgänger Alben, und die Melodien erlauben ihr es auch etwas mehr damit zu Arbeiten. Auch hier hört man ein leichtes Auflockern der bisherigen Konventionen, da die Gesangslines nicht unbedingt so strikt an ein rythmisches Raster gelehnt sind. Oft genug gibt es vorgezogene Noten und etwas länger gehaltene Töne, die auf den ersten beiden Alben eher die Ausnahme waren.

Stück für Stück

Graffiti

Als Opener des Albums gibt der Song einen guten Eindruck vom Bevorstehenden. Er beginnt mit einer Synth-Melodie, wie man sie von Chvrches kennt, stellt sich insgesamt aber als etwas ruhiger heraus, als man es vielleicht erwartet hätte. Was jedoch nicht heißt, dass der Track langweilig ist. Der Chorus erinnert mit seiner etwas theatralischen Melodie und Stimme fast schon an Sia.

Get Out

Fast mit unveränderten Tempo geht es mit Track 2 weiter. Der Song ähnelt auch in seiner Struktur dem Opener Graffiti, ist aber in Dur gehalten, etwas weniger hymnisch und generell näher am bekannten Chvrches Stil.

Deliverance

Durch den bassigen und etwas minimaleren Anfang ein leicht verträumter Song. Zum ersten mal hält sich hier das Schlagzeug an das typische pulsierende 4/4 Raster ohne weiter interessante Grooves. Dafür ist der Gesang etwas Off-Beat und der Chorus ist ein gnadenloser Ohrwurm.

My Enemy

Auch dieser Song beginnt etwas verträumt, was sich durch den gesamten Song zieht. Begleitet ist der Song von Matt Berninger (Frontmann von „The National“) in den Strophen, der die etablierte Stimmung mit seiner Klangfarbe weiter unterstützt. Der Chorus wird 2 von 3 Mal von Lauren Mayberry alleine gesungen, den letzten Chorus singt sie aber zusammen mit dem Gast. Hervor sticht vorallem das fast schon Trap-angehauchte Schlagzeug, welches sich als Teppich durch den Song zieht, aber an den richtigen Stellen aussetzt, um die Spannungskurve aufrecht zu erhalten.

Forever

Der erste wirklich schnelle Song des Albums. Allerdings ist auch hier ein abwechslungsreicherer Drumgroove hinterlegt, als man von Chvrches gewohnt ist. Im letzten Takt des Chorus, sowie im Pre-Chorus und der Bridge werden sogar die Toms eingesetzt und der Takt etwas mit versetzten Snear Schlägen aufgeweicht. In der Bridge gibt es auch ein Synth-Solo, was dezent an eine Gitarre erinnert.

Never Say Die

Der Song beginnt mit einer sanften Synth-Melodie, bis Mayberrys Stimme einsetzt, ein paar Chords dazu kommen und ein Filter etwas Spannung erzeugt. Von der Melodie wird klar, dass auch dieser Song mehr auf Groove setzt, als auf pulsierende Drums. Der Pre-Chorus deutet kurz eine Rückkehr zu einem eingängigen Puls an, nur um dann im Chorus fast schon wie ein Drop in einen langsamen Schlagzeuggroove überzugehen, der von einen starken Bass begleitet wird.

Miracle

Der Song beginnt mit Mayberrys Gesang und dem ersten Verse. Damit ist der Song der einzige auf dem gesamten Album, der kein Instrumentales Intro hat. Hauptmerkmal des Songs ist wohl der starke Wechsel zwischen ruhigen Strophen und sehr hymnischen Chorus, der aus einer sehr eingängigen Gesangsgsmelodie und Text besteht. Der Song wirkt dadurch weit „Arena reifer“ als die meisten anderen Chrvches Songs.

Graves

Ein schneller Song, der vorallem durch den Chorus lebt. Dieser Song erinnert wieder etwas stärker an das bisherige Material der Band.

Heaven/Hell

Der Song ist etwas langsamer als sein Vorgänger. Die Melodie für den Chorus wird im Pre-Chorus ohne Schlagzeug etabliert. Allerdings eskaliert der Song nicht, und ist eines der ruhigeren Lieder des Albums.

God’s Plan

Der Song wird überwiegend vom männlichen Bandmitglied Doherty gesungen. Im Chorus setzt ein leicht spielerisches Schlagzeug ein, was sich im Song schon vorher, durch einen abgedämpften Rythmus, angedeutet hat. Auch wenn der Song zu einen der Schnelleren gehört, ist er doch auffällig in einer traurigen Moll Tonleiter geschrieben, und auch Dohertys Gesangsstil ist weit melancholischer als Mayberrys.

Really Gone

Einer der zwei Songs, die kein Schlagzeug enthalten. Generell ist der Fokus, durch das minimale Arrangement aus Synthesizern, sehr auf Mayberrys Vocals gerichtet.

II

Der zweite Song ohne Schlagzeug. Diesmal fehlt aber auch jeder Gesang und das Stück besteht nur aus einem einsamen Bar Piano. Harmonisch ist der Song sehr auffällig, da er auf für Chvrches ungewöhnliche Chords zurückgreift. Allerdings geht der Song fast nahtlos in den nächsten über, und ist mehr ein kleiner Interlude, und sollte im Kontext des Albums gehört werden.

Wonderland

Der Song setzt früh auf einen schnellen Beat, was auf diesem Album nur seltener der Fall ist. Dafür setzt er auf einen langsamen, hymnischen Chorus. Damit endet das Album auf einer guten Note und erinnert nochmal an alles, was es von den bisherigen Chvrches Alben unterscheidet.

Fazit

Love is Dead repräsentiert stilistisch für Chvrches eine eindruckvolle Gradwanderung zwischen dem Bewahren von alten Sounds und Strukturen und dem Hinzufügen neuer Aspekte und damit ein Schritt nach vorne für die Band.
Das Album hat alles, was man von einem Chvrches Album erwarten würde, bietet aber darüber hinaus auch, was ein drittes Album in der Diskographie einer Band bieten sollte.