Review: The Turing Test

Ava Turing ist Wissenschaftlerin und Teil des Back-Up Teams einer Internationalen Weltraum-Mission zum Jupiter Mond Europa. Sie befindet sich im Tiefschlaf im Orbit um den Mond, als die künstliche Intelligenz der Mission, T.O.M., sie weckt. Auf der Forschungsstation ist etwas schiefgelaufen und die Boden-Crew ist in Gefahr. Mit T.O.M. an ihrer Seite landet Ava auf Europa und betritt die Forschungseinrichtung. Keiner von beiden hatte jedoch mit dem gerechnet, was sie vorfinden. Jeder Raum ist zu einem Rätsel umgebaut worden und keiner der anderen Crew-Mitglieder lässt sich blicken. Nun liegt es an Ava und T.O.M. die Rätsel zu lösen und hinter die Geschenisse auf der Station zu kommen.

Die Turing Tests

Auf spielerischer Seite bedeutet das, dass von hier an 80 Räume mit stetig komplexer werdenden Rätseln auf euch warten, begleitet von 7 optionalen Rätselräumen jeweils etwa in der Hälfte eines jeden Kapitels. Heruntergebrochen sind alle Rätsel eine Variation simpler Schalterrätsel. Am Ende geht es immer darum die letzte Tür eines Raumes zu öffnen, indem man eine bestimmte Anzahl Schlüssel aus dem Raum sammelt und zur Tür bringt. Das ist allerdings leichter gesagt als getan und fordert gerade in späteren Leveln den ausgiebigen Einsatz der grauen Zellen.

Besonderes Qualitätsmerkmal ist die sehr angenehme und gut gemacht Lernkurve des Spiels. Ohne irgendetwas direkt zu erklären, erarbeitet man sich im Laufe der Rätsel ein immer größer werdendes Arsenal von Wissen über Funktionsweise bestimmter Objekte. So bauen alle Rätsel aufeinander auf, ohne sich zu wiederholen oder die Spieler durch zu viele neue Informationen gleichzeitig zu überfordern.

Die optionalen Rätselräume müssen an dieser Stelle gesondert erwähnt werden. Sie spielen mit den etablierten Regeln und ermutigen den Spieler in ganz andere Richtungen zu denken, als die restlichen Rätsel. Die optionalen Rätsel im speziellen sind diese Art von Rätseln nach deren Lösung man sich so richtig klever fühlt.

Um den spielerischen Teil abzuschließen, muss gesagt werden, dass über die minimalistischen Gameplay-Mechaniken der Rätsel im Spiel nichts anderes gemacht werden kann. Wer keinen Spaß an Rätseln hat, der wird mit The Turing Test auf keinen Fall glücklich, auch wenn die Rätsel sehr gut sind.

Die Handlung

Passend zu einem Spiel in dem es darum geht die grauen Zellen zu benutzten, ist auch die Handlung des Spiels vollgestopft mit Stoff zum Nachdenken. Im Zentrum stehen künstliche Intelligenzen, ihre Vor- und Nachteile, sowie ihre Limulationen und Möglichkeiten. Daher auch der Name des Spiel, Turing Test, benannt nach dem Test, den Informatiker Alan Turing 1950 erdachte. Ziel des Test ist es herauszufinden, ob es einer künstlichen Intelligenz gelingt einen Menschen in einem Gespräch davon zu überzeugen selber ein Mensch zu sein.

Die Story, wenn auch interessant, schafft es nur selten mehr zu sein, als ein Medium für die philosophischen Fragen, die das Spiel aufwerfen möchte. Zugegeben macht die Handlung das dafür sehr gut, indem sie selber mit den Fragen spielt, die, nicht unbedingt dezent, im Gespräch zwischen Ava und der künstlichen Intelligenz T.O.M. immer wieder aufgeworfen werden.

Darüber hinaus ist die Erörterung der ethischen Fragen rund um künstliche Intelligenzen bei weitem nichts Neues, mit dem erst kürzlich erschienen und fantastischen Film Blade Runner 2049 nur als aktuell präsentestes Beispiel. The Turing Test krempelt diese Diskussion bei weitem nicht um. Wer sich zuvor schon einmal mit künstlichen Intelligenzen befasst hat und das Gedankenexperiment des Chinesischen Zimmers von John Searle kennt, der wird wohl eher wenig neues lernen.

Dennoch macht The Turing Test einen sehr guten Job die Ideen rund um künstliche Intelligenzen zu präsentieren.. Wer sich noch nie mit der Philosophie um künstliche Intelligenzen befasst hat, dem sei die Handlung ohnehin empfohlen. Aber auch für Leute, die schon wissen was es mit dem chinesischen Zimmer auf sich hat, bietet The Turing Test einen eventuell neuen Winkel die Thematik zu betrachten.

Der Rest

Die Brücke zwischen Handlung und Gameplay ist ein bisschen wackelig. Ohne ins Detail zu gehen wird zwar oberflächlich erklärt wie die Rätsel mit der Handlung zusammenhängen, aber gerade das Ausmaß der Rätsel übersteigt diese Erklärung ein ganzes Stück.

Das Spiel ist dank Unreal Engine 4 sehr hübsch anzusehen. Getreu des Schauplatztes ist der Look zwar recht steril, aber dennoch sehr hübsch, gerade in den Bereichen in denen man die normalen Rätselkammern verlässt und die Teile der Station sieht, die nicht für die Prüfung eures Denkapparats ausgelegt sind. Als Störfaktor sind hier in der getesteten Xbox One Version vor allem die Ladezeiten zwischen den Rätseln aufgefallen, sie unterbrechen das Spiel an sehr ungünstigen Stellen und reißen deshalb aus dem Flow des Denken und Rätsellösens.

Abschließend noch ein paar Worte zur akustischen Seite des Spiels. Die gecasteten Sprecher leisten gute Arbeit und auch die musikalische Gestaltung ist nicht schlecht. Letztlich stechen diese Punkte aber in keine Richtung besonders hervor. Sie sind fern von schlecht, aber auch nicht außergewöhnlich gut.

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Unter’m Strich ist The Turing Test vorallem ein ganz fantastisches Rätselspiel. Die Rätsel sind klever und toll gestaltet, gerade was die Entwicklung der Komplexität über die Zeit angeht. Wo das Hirn ohnehin schon arbeitet gibt uns die Handlung des Spiels auch noch einiges zum Nachdenken mit auf den Weg. Für Fans von Rätselspielen ist The Turing Test wärmstens zu empfehlen.

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