Vorgestellt: bandcamp

Nachdem ich im letzten Teil der Reihe Patreon als eine Möglichkeit vorgestellt habe, um unabhängige Creator zu unterstützen, soll es diesmal um bandcamp gehen. Anders als Patreon ist bandcamp allerdings auf einen wesentlichen eindeutigeren Bereich an Künstlern spezialisiert, namentlich Musiker.

Bandcamp vs. Streaming

Streaming-Dienste wie Spotify und Deezer haben in letzter Zeit die Musikindustrie revolutioniert. Gerade als kleinerer Künstler ist es mit Spotify und Co. allerdings extrem schwierig ein gutes Einkommen aufzubauen. Wie informationisbeautiful.net zeigt, zahlt der größte Dienst, Spotify, einem Musiker pro gespieltem Song gerade mal 0,32 Cent, es braucht entsprechend mehr als 300 abgespielte Songs um überhaupt auch nur einen Euro mit der eigenen Musik zu verdienen. Den mit Abstand besten Preis für Musiker macht überraschenderweise Napstar mit 1,35 Cent pro gespieltem Lied. Somit reichen immerhin schon 74 gespielte Songs für einen Euro Einkommen. Und trotzdem machen die Streaming-Dienste selber Verluste.

Bandcamp ist kein Streaming-Dienst, ist aber ebenfalls eine Firma, die über das Internet Musik anbietet. Am ehesten vergleichbar mit einem klassischen Musikladen, nur eben im Internet. Tatsächlich sieht sich die Firma selber als Gegenpol zu diesen Streaming-Diensten, als notwendige Alternative. Die Firma begründet das primär damit, dass Streaming-Dienste über kurz oder lang wegen des ständigen Verlusts nur von sehr großen Firmen betrieben werden können, die den Dienst als Lockmittel nutzen, um Kunden zum Kauf anderer Artikel zu bewegen.

´Dienste und Finanzen

Wie also schon gesagt ist bandcamp ein Online-Musikladen. Neben hochqualitativen Downloads von einzelnen Liedern oder ganzen Alben in diversen Datei-Formaten können auch physische Versionen der Alben auf CD oder Schallplatte erworben werden. Auch offizielle Fanartikel können über die Shops der Künstler erworben werden. Darüberhinaus ist bandcamp aber auch eine Social-Media-Plattform. Man kann sich mit Bands, Labeln und anderen Fans verbinden, um stets auf dem Laufenden zu bleiben und neue Musikempfehlungen zu bekommen. Nicht zuletzt  bietet die Seite natürlich auch die Möglichkeit an seine Musik zu streamen.

Den registrierten Künstlern und Labeln steht es frei den Mindestpreis für ihre Produkte selber festzulegen. Als Kunde kann man allerdings auch mehr zahlen, wenn man das denn möchte. Ein Teil des gezahlten Geldes geht an bandcamp, der Rest direkt an den Künstler bzw. das Label. In Zahlen bekommt der Künstler etwa 80-85% des bezahlten Geldes, bandcamp selber erhebt eine Gebühr von 15% auf digitale Inhalte und 10% auf physische Produkte, etwa 4-7% entfallen schließlich auf Transaktionskosten, sie variieren je nach Produkt und Höhe des Betrags. Bandcamp zahlt täglich aus und hat bislang nach eigenen Angaben 254 Million US-$ an registrierte Nutzer ausgezahlt.

Bandcamp wurde 2008 von Ethan Diamond in Kalifornien gegründet und wirft seit 2012 Gewinne ab.

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