Der Ankereffekt beschreibt den Einfluss von Informationen, sogenannten Ankern, auf spätere Einschätzungen und Entscheidungen. Für Demonstraktionszwecke verdeutlicht man den Effekt durch zwei aufeinanderfolgende Schätzfragen. Dabei ist die erste Frage die Frage nach einer Tendenz, während die zweite Frage eine eindeutige Antwort verlangt. Also beispielweise: 1. Sind mehr als X Prozent der afrikanischen Länder Teil der vereinten Nationen? 2. Wie viel Prozent der vereinten Nationen sind Teil der vereinten Nationen?

Etliche Studien haben gezeigt, dass die zuvor gegebene Information “X Prozent” einen deutlichen Einfluss auf die finale Schätzung hat. Wird zunächst nach dem Vergleich zu einer kleinen Zahl gefragt, fällt die finale Schätzung signifikant kleiner aus, als wenn eine vergleichsweise große Zahl in der ersten Frage abgefragt wird.

Wie genau der Ankereffekt funktioniert ist nicht hundertprozentig geklärt; generell liefert der Anker aber wohl einen Vergleichswert, der spätere Einschätzungen beeinflusst. Der Effekt entfaltet seine Wirkung auch, wenn der gegebene Anker in Gegenwart der Befragten zufällig bestimmt wird. Das genannte Beispiel ist sehr direkt. Frage 1 setzt den Anker und Frage 2 wird durch den Anker beeinflusst. Zudem ist der Bezug der ersten Frage zur zweiten Frage sehr eindeutig. Interessanter wird es allerdings wenn die Ausmaße des Effekts in weniger direkten Beispielen untersucht wird.

Im Beispiel ist recht deutlich, wann und wie der Anker gesetzt wurde. Im realen Leben ist das aber wahrscheinlich nicht immer so deutlich. So zeigten Critcher und Gilovich zum Beispiel, dass Studienteilnehmer im hypothetischen Restaurant “Studio 97” durchschnittlich 8 Dollar mehr zahlen würden, als im ansonsten identischen “Studio 19”. Den Befragten wurden Fotos des gleichen Restaurants gezeigt, in dem nur der Schriftzug geändert wurde. Die Studie zeigt auch, dass es keine Rolle spielt, ob die Teilnehmer den Namen des Lokals bewusst oder unterbewusst wahrgenommen haben.

Quellen und weiterführende Literatur finden sich in den Aufsätzen von Tversky und Kahnemann, Strack und Mussweiler und Critcher und Gilovich, sowie auf Wikipedia. Mein Interesse am Ankereffekt wurde durch Stuff To Blow Your Mind geweckt.