Mit einer durchschnittlichen Bewertung im 80er bis 90er Bereich kann man bei Halo 5: Guardians bei Weitem nicht von einem schlechten Spiel sprechen. Natürlich gibt es den eher kleinen, aber recht lauten Teil, der das erste Halo posthum etwas zu sehr glorifiziert und in dem flotten Gameplay des fünften Ablegers nicht weniger sieht als einen Hochverrat. Aber im Konsens ist 343 Industries‚ Halo 5: Guardians ein ziemlich gutes Spiel.

Die eigentliche Kampagne des Spiels fliegt allerdings immer etwas unter dem Radar. Teilweise wird sie sogar gerade heraus als schlecht bezeichnet. Dafür gibt es in meinen Augen ein paar mehr oder weniger gute Gründe.

Schlechter Start

Neben einigen Auffrischungen der altbekannten Spielmechanik hat Halo 5 auch in anderen Bereichen einige Änderungen an der etablierten Formel vorgenommen. Der legendäre Protagonist der Halo-Serie, Master Chief, ist nur in 3 der insgesamt 15 Kampagnen-Leveln spielbar. Die meiste Zeit verbringt man im Körper von Spartan Locke. Mehr noch, anstatt wie bislang gewohnt auf sich allein gestellt zu sein, hat man sein insgesamt vierköpfiges Feuerteam immer im Schlepptau. Und als sei das noch nicht genug hat Halo 5 auch keine lokalen Multiplayer-Möglichkeiten, Koop-Kampagne ja, aber nur online.

Obwohl ich verstehe, dass das subjektiv akzeptable Gründe sind die Kampagne nicht zu mögen, messe ich ihnen insgesamt keine große Bedeutung bei. Veränderungen sind nicht generell schlecht. Wenn du lieber keine Veränderung gehabt hättest okay, aber das ist ein Punkt persönlicher Präferenz, der mit einer echter Bewertung des Spiels nichts zu tun hat. Ähnliches habe ich bereits zu Star Wars Episode 8 geschrieben.

Marketing-Katastrophe

Kommen wir jetzt zu dem Punkt, der in meinen Augen wirklich Schuld daran ist, dass die Halo 5 Kampagne eher mies aufgenommen wurde: Das Marketing. Das Problem ist allerdings nicht, dass die Marketing-Kampagne per se schlecht war, im Gegenteil. Das Problem war, dass die Marketing-Kampagne fantastisch war, nur leider für ein vollkommen anderes Spiel. Für mich fasst der „Bullet“-Trailer die Kampagne perfekt zusammen:

 

Der kurze Clip zeigt eine Kugel aus einem Scharfschützengewehr, die sich um die horizontale Achse drehend auf den Helm des Master Chiefs zu bewegt, schließlich trifft und den Helm quasi pulverisiert. Verlangsamt man das Video fallen einzelne Wörter auf der Kugel auf, die die Geschichte des Master Chief zusammenfassen. Das letzte Wort ist „Traitor“ also „Verräter“, bevor die Kugel den Helm trifft.

Das gesamte Marketing ist um diese Idee herum aufgebaut: Wer ist der Master Chief? Was sind seine Motive? Warum ist er ein Verräter geworden? Auf einem der zentralen Bilder der Kampagne starren sich Locke und der Master Chief über die brennenden Ruinen einer Stadt hinweg an, zwischen ihnen der namensgebende Guardian, der bedrohlich über der Stadt schwebt. Der Halo 5 Live-Action Trailer führt die gesamte Idee weiter aus, der zentrale Satz: „Das einzige, was schlimmer ist, als einen Helden zu verlieren, ist zuzusehen, wie er sich gegen dich wendet!“

 

Das Spiel jedoch, ist ganz anders als es das Marketing vermuten lässt. In der Geschichte wiedersetzt sich der Master Chief einmal einem direkten Befehl, aber niemand glaubt, dass er wirklich böse ist. Rückblickend ist es fast absurd, wie unakkurat die Marketing-Kampagne von Halo 5 war. Und genau darunter leidet meiner Meinung nach die eigentliche Kampagne des Spiels. Diese ist nämlich nicht schlecht, sie ist nur gnadenlos anders, als die durch das Marketing aufgebauten Erwartungen.

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